Astaxanthin
Astaxanthin ist ein rosarotes Carotinoid aus der Gruppe der Xanthophylle mit starken antioxidativen Eigenschaften. Diese Substanz wird von bestimmten Mikroalgen, Pilzen und Bakterien produziert, wobei Astaxanthin eine protektive Rolle einnimmt, indem es die Zellmembranen stabilisiert und Schäden durch oxidativen Stress sowie übermäßige Lichtbelastung mindert.
Auch in tierischen und menschlichen Zellen kann Astaxanthin Zellmembranen vor oxidativen Schäden schützen. Astaxanthin ist ein äußerst wirksames Antioxidans, dessen antioxidative Wirkung 6000-mal stärker ist als die von Vitamin C. Die besondere molekulare Struktur spielt dabei eine wichtige Rolle. Aufgrund der polaren Enden und des unpolaren Mittelteils kann sich Astaxanthin über die gesamte Breite der Lipid-Doppelschicht ausrichten. Dadurch kann es sowohl an der Membranoberfläche als auch im hydrophoben Inneren der Membran reaktive Verbindungen neutralisieren und die Lipidperoxidation eindämmen. Astaxanthin kann auch in Mitochondrienmembranen eingebaut werden und so zur Erhaltung der Struktur und Funktion der Mitochondrien beitragen. Experimentelle Studien deuten zudem darauf hin, dass zelluläre Prozesse beeinflusst werden, die an Entzündungen und Stressreaktionen beteiligt sind.
In Humanstudien wurden positive Wirkungen von Astaxanthin auf bestimmte Marker für oxidativen Stress und Entzündungen festgestellt. Die klinische Forschung befasst sich unter anderem mit der Haut- und Augengesundheit, dem Glukose- und Fettstoffwechsel, körperlicher Belastung und Regeneration, der Fruchtbarkeit sowie kognitiven Fähigkeiten. Das Ausmaß an wissenschaftlicher Fundierung unterscheidet sich je nach Anwendungsbereich erheblich.
Quellen
Astaxanthin wird auf natürliche Weise von verschiedenen Mikroorganismen gebildet. Die grüne Mikroalge Haematococcus pluvialis kann unter Stressbedingungen besonders hohe Konzentrationen an Astaxanthin produzieren und ist eine der reichhaltigsten natürlichen Quellen. Aus dieser Mikroalge wird ein konzentrierter, astaxanthinreicher, ölartiger Extrakt (Oleoresin) gewonnen, der in Nahrungsergänzungsmitteln als Quelle für natürliches Astaxanthin Verwendung findet.
Über Astaxanthin produzierende Organismen gelangt Astaxanthin in die Nahrungskette. Es reichert sich unter anderem in Lachs, Forelle, Garnelen, Krabben, Hummer und Flusskrebsen an und trägt zu deren charakteristischer rosa bis roter Färbung bei. Auch manche Vögel nehmen Astaxanthin über ihre Nahrung auf. Ein bekanntes Beispiel ist der Flamingo, dessen charakteristische Farbe unter anderem mit der Aufnahme und Umwandlung von Carotinoiden aus der Nahrung zusammenhängt.
Indikation
- Hautalterung und Hautgesundheit, darunter die Erhaltung der Hautfeuchtigkeit und ‑elastizität sowie der unterstützende Schutz vor UV-Strahlung
- Asthenopie (müde, brennende oder trockene Augen), digitale Augenbelastung, mit möglicher Unterstützung bestimmter Aspekte der Sehfunktion
- Störungen des Glukose- und Fettstoffwechsels, insbesondere bei Prädiabetes und Typ-2-Diabetes
- Dyslipidämie und andere kardiometabolische Risikofaktoren
- Unterstützung der Regeneration nach intensiver körperlicher Belastung und Verringerung belastungsbedingter Muskelschäden
- Verminderte weibliche Fruchtbarkeit, darunter PMOS (früher: „PCOS“) und Fertilitätsbehandlungen
- Verminderte männliche Fruchtbarkeit
- Unterstützung kognitiver Fähigkeiten
- Funktionelle Dyspepsie und Refluxbeschwerden
- Rheumatoide Arthritis
- Orale submuköse Fibrose
Kontraindikation
Für die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Von einer Nahrungsergänzung wird daher vorsorglich abgeraten, es sei denn, sie erfolgt unter fachkundiger Anleitung.
Gemäß den europäischen Vorschriften ist astaxanthinreiches Oleoresin aus Haematococcus pluvialis in Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder unter 3 Jahren nicht zulässig. Für ältere Altersgruppen gelten maximal zulässige Tagesdosen von 2,3 mg Astaxanthin (3 bis unter 10 Jahren), 5,7 mg (10 bis unter 14 Jahren) und 8 mg (älter als 14 Jahre).
Anwendungsempfehlungen
- Allgemeine Dosisempfehlung: 4-8 mg Astaxanthin pro Tag
- Augengesundheit und Asthenopie: 4-6 mg pro Tag (in Kombination mit anderen Xanthophyll-Carotinoiden wie Lutein und Zeaxanthin)
- Hautgesundheit und Hautalterung: 4-6 mg pro Tag
- Glukose- und Fettstoffwechsel: 8 mg pro Tag
- Erholung nach körperlicher Anstrengung: 8 mg pro Tag
In Studien am Menschen werden in der Regel Dosierungen von 4 bis 12 mg Astaxanthin pro Tag verabreicht, je nach Anwendungsbereich und Studiendauer.
Wechselwirkungen
- Bislang wurden keine klinisch relevanten Wechselwirkungen zwischen Astaxanthin und Arzneimitteln überzeugend nachgewiesen. In-vitro-Untersuchungen deuten darauf hin, dass Astaxanthin die Aktivität von CYP3A4 und CYP2B6 und damit theoretisch den Stoffwechsel von Arzneimitteln beeinflussen kann , die über diese CYP-Enzyme metabolisiert werden. Die klinische Relevanz dieses Befundes ist jedoch noch ungeklärt.
- Astaxanthin könnte aufgrund möglicher Auswirkungen auf den Blutzucker, die Blutfettwerte und den Blutdruck theoretisch eine additive Wirkung bei der Einnahme von blutzuckersenkenden, blutfettsenkenden bzw. blutdrucksenkenden Medikamenten haben.
- Die gleichzeitige Einnahme verschiedener Carotinoide (u. a. Beta-Carotin, Lutein, Lycopin) kann aufgrund wechselseitiger Konkurrenz bei der Aufnahme deren Bioverfügbarkeit beeinflussen. Ob dies praktisch relevant ist, ist unklar.
Sicherheit
Die einzellige grüne Mikroalge Haematococcus pluvialis wird bereits seit über 10 Jahren als Astaxanthin-Quelle in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet und ist für den Verzehr äußerst unbedenklich. In Studien am Menschen wurden Astaxanthin-Tagesdosen bis zu 18 mg über einen Zeitraum von 12 Wochen und bis zu 40 mg über einen Zeitraum von 4 Wochen hervorragend vertragen, ohne dass Nebenwirkungen auftraten. In den USA besitzt Astaxanthin den GRAS-Status (Generally Recognised As Safe). Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Astaxanthin eine erlaubte Tagesdosis (ETD; engl.: acceptable daily intake, ADI) von 0,2 mg pro kg Körpergewicht pro Tag festgelegt. In der EU ist Astaxanthin aus H. pluvialis in Nahrungsergänzungsmitteln bis zu einer Höchstmenge von 8 mg pro Tag für Personen über 14 Jahren zugelassen. Für jüngere Altersgruppen gelten niedrigere Höchstdosierungen.
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