Ashwagandha

Ashwagandha (Withania somnifera oder Winterkirsche, eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse oder Solanaceae) ist ein wichtiges Heilkraut in der ayurvedischen Medizin und schon seit Jahrtausenden in Gebrauch. Die wichtigsten medizinischen Inhaltsstoffe sind die Withanolide; Ashwagandha enthält von allen Pflanzen die größte und strukturell vielfältigste Zusammenstellung von Withanoliden. Ashwagandha wird auch Indischer Ginseng oder Königliches Kraut genannt, weil die adaptogenen Eigenschaften von Ashwagandha denen des Ginsengs ähneln und das Kraut in der ayurvedischen Medizin einen prominenten Platz einnimmt. Als Adaptogen erhöht Ashwagandha die nicht-spezifische Resistenz gegenüber Krankheit und körperlichem und psychischem Stress, der akuter oder chronischer Art sein kann. Ashwagandha hat ein breites Wirkungsspektrum, verbessert den Zustand von Körper und Geist und trägt zu einem langen und gesunden Leben bei. Das Heilkraut wirkt der Zellalterung entgegen, ist gut für das Denkvermögen und Gedächtnis und hat unter anderem stresslindernde, angsthemmende, antidepressive, neuroprotektive, entzündungshemmende, immunmodulierende, antioxidative, hormonregulierende und muskelstärkende Wirkungen. Die Indikationen für Ashwagandha beruhen auf traditionellen Anwendungen, präklinischen Studien und einer begrenzten Anzahl klinischer Studien.

 

Qualitätsaspekte

Das in Ashwagandha enthaltene Withaferin A hat zytotoxische Wirkungen; die Einnahme hoher Dosen dieses Withanolids ist daher unangebracht. Die Wurzel der Ashwagandha-Pflanze, die meist verwendet wird, hat einen geringeren Gehalt an Withaferin A als die Blätter. Bei der Verwendung von Ashwagandha-Extrakt wird empfohlen, einen Extrakt mit einem möglichst geringen Gehalt an Withaferin A zu wählen.

 

Indikationen

  • Verbesserung des Allgemeinzustands
  • Verlangsamen der Alterung (auch der kognitiven Alterung)
  • Erholung nach Krankheit
  • Akuter und chronischer Stress
  • Stressbedingte Beschwerden und Erkrankungen: Angstzustände, Unruhe, Depressionen, Lern- und Gedächtnisstörungen, Schlaflosigkeit, nervöse Erschöpfung, Gewichtsverlust, Bluthochdruck, Zwangsstörungen (obsessive-compulsive disorder bzw. OCD), Magengeschwüre, verminderte Widerstandskraft
  • Verbesserung von Kognition, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnis
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Neurodegenerative Erkrankungen: Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Chorea Huntington, HIV-assoziierte Demenz
  • Libidoverlust
  • Fruchtbarkeitsstörungen (Männer)
  • Prämenstruelles Syndrom
  • Wechseljahresbeschwerden
  • Sport
  • Muskelschwäche, Sarkopenie
  • Arthrose, rheumatoide Arthritis, Gicht
  • Diabetes mellitus, Diabeteskomplikationen Angstzustände, Depressionen, Libidoverlust, Neuropathie, Fruchtbarkeitsstörungen, kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Förderung von Wachstum und Entwicklung Heranwachsender
  • Schutz gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Subklinische Hypothyreose
  • Magen-Darm-Infektionen

 

Kontraindikationen

Schwangerschaft und Stillzeit (aufgrund fehlender Sicherheitsangaben).

 

Anwendungshinweise

Die übliche Dosierung der getrockneten Ashwagandha-Wurzel beträgt für Erwachsene etwa 3 bis 6 Gramm pro Tag (Extrakt 300-600 mg/Tag). Die vorübergehende Einnahme von Ashwagandha-Extrakt in einer Dosierung von bis zu 1.200 mg/Tag ist unbedenklich.

 

Wechselwirkungen

  • Ashwagandha erhöht möglicherweise die Wirksamkeit einer Strahlen- und Chemo­therapie bei Krebs, wobei es Nebenwirkungen dieser Therapien abmildern kann.
  • Der Leukopenie, einer Nebenwirkung von Cyclophosphamid, wird durch Ashwagandha entgegengewirkt (Tierstudie).
  • Ashwagandha und das Zytostatikum Paclitaxel haben bei Krebs eine synergistische Wirkung; außerdem wirkt Ashwagandha der von Paclitaxel verursachten Neutropenie entgegen (Tierstudien).
  • Ashwagandha schützt vor der Kardiotoxizität von Doxorubicin (Tierstudie).
  • Ashwagandha schützt Leber und Nieren vor der Toxizität von Gentamicin (Tierstudien).
  • Der (systolische und diastolische) Blutdruck kann bei Anwendung von Ashwagandha abfallen; Menschen, die Blutdrucksenker einnehmen, müssen dies berücksichtigen.
  • Ashwagandha wirkt Nebenwirkungen (Katalepsie, orofaziale Dyskinesie) von Haloperidol entgegen (Tierstudie).
  • Ashwagandha schützt vor der Hepatotoxizität des Insektizids Dimethoat, einer Organophosphorverbindung (Tierstudie).
  • Bei einer Bleiintoxikation schützt Ashwagandha unter anderem Gehirn, Leber und Nieren vor oxidativem Stress.
  • Ashwagandha wirkt der Akkumulation und Toxizität von Cadmium entgegen (Tierstudie).
  • Ashwagandha verlängert die Schmerzlinderung und unterdrückt die Hyperalgesie (einen Reboundeffekt) durch Morphin (Tierstudie) und verstärkt möglicherweise die Wirkung von Benzodiazepinen, Barbituraten und anderen Sedativa/Antidepressiva. Ob die gleichzeitige Einnahme von Ashwagandha mit derartigen Medikamenten sicher ist, wurde bisher nicht ausreichend untersucht.
  • Alkohol-Entzugserscheinungen wie Angstzustände verringern sich bei Anwendung von Ashwagandha (Tierstudie).
  • Ashwagandha kann den Blutzuckerspiegel senken. Diabetiker sollten diesen Effekt berücksichtigen.
  • Ashwagandha regt die Schilddrüse an; Menschen, die Schilddrüsenhormone einnehmen, sollten dies berücksichtigen.

 

Sicherheit

Ashwagandha ist in den empfohlenen Dosierungen sicher. Das Heilkraut wird seit Jahrtausenden in traditionellen Medizinsystemen wie Ayurveda, Unani und Siddha eingesetzt. Ashwagandha erfüllt die Anforderungen an ein Adaptogen: Es reduziert stressbedingte Schäden, ist sicher in der Anwendung, auch in höheren Dosierungen und bei langfristigem Gebrauch, es hat keine unerwünschten Wirkungen wie zum Beispiel Entzugserscheinungen, und es beeinflusst die Körperprozesse nicht mehr als nötig. Abgesehen von einem sporadischen Fall einer reversiblen Thyreotoxikose sind keine signifikanten Nebenwirkungen bekannt. Personen mit einer Schilddrüsenüberfunktion sollten bei der Anwendung von Ashwagandha daher vorsichtig sein. Vorsicht ist auch bei Überempfindlichkeit gegenüber Pflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) geboten.

 

Literatur

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